29.10.2008
Dickmacher
Fett soll bekanntlich dick machen, aber viel schwergewichtiger als sämtliche Kalorien wirken sich gewisse wissenschaftliche Forschungsergebnisse aus. Da kann man glatt über Nacht massiv übergewichtig werden, ohne ein Gramm zugenommen zu haben.
Wie das geht? Ganz einfach. Man schraubt an den Grenzwerten für das «normale Gewicht». Bisher galt der BMI als Mass aller Dinge beziehungsweise Dicken. Das ist vorbei. Jetzt misst man der Taillenumfang, wobei den Männern freundlicherweise etwas mehr zugestanden wird als den Frauen, die zwar von ihrer Natur aus eher zu Rundungen neigen. Wäre es da nicht logischer, man würde den Frauen etwas mehr gönnen? Nein, nein, nein! Es geht ja nicht darum, dass man wissen möchte, was das Übliche ist, sondern dass man neue Normen setzt.
Und warum? Der Taillenumfang hängt vom Bauchfett ab. Und, oh Wunder: Gegen dieses Bauchfett wurden neuerdings etliche Medikamente entwickelt, die nun auch eingesetzt werden möchten oder sollen oder müssen. Doch dazu braucht es Kunden, die dieses Bauchfett haben, und vor allem weg haben möchten. Dafür muss man die Grenzwerte möglichst niedrig einsetzen, damit sich der Kundenkreis entsprechend vergrössert. Beim Taillenumfang geht das offenbar besonders gut. Bei einer Untersuchung an 6000 Personen, über die der Tagesanzeiger berichtete (11.10.08), hatten 17 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen einen zu hohen BMI. Mass man aber ihre Taille, verdoppelte sich der Anteil an Übergewichtigen: Nun hatten 31 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer einen zu dicken Bauch. Interessant dabei ist, dass die Frauen massiver zulegten als die Männer. Obwohl sie natürlich in Tat und Wahrheit gar nichts zulegten, sondern immer noch dasselbe Gewicht hatten. Dadurch verdoppelte sich auch die Zielgruppe für die entsprechenden Medikamente. Auf diese Weise füllt sich die Kasse.
Besonders eindrücklich an dieser Art pharmafreundlicher Forschung finde ich, dass die Grenzwerte für den Taillenumfang wissenschaftlich noch gar nicht festgelegt sind. Es gibt fünf verschiedene Methoden, diesen Umfang zu messen, und die armen Forscher wissen noch nicht, welche richtig ist. Und sie wissen auch nicht, ab welchem Umfang überhaupt eine Gesundheitsgefährdung besteht.
Wir haben jetzt also eine Untersuchung, in der etwas gemessen wurde, von dem man nicht weiss, ob es auf die richtige Weise gemessen wurde und was das Mass aussagt.
So wird man dick.
