02.12.2008
Glückstage
Mond, Jupiter und Venus stehen in Konjunktion im Tierkreiszeichen Steinbock. Das ist natürlich Astrologen-Chinesisch und erst noch eine optische Täuschung. Denn es sieht von der Erde aus nur so aus. In Wirklichkeit treffen sie in den Weiten des Himmels nie aufeinander. Das wäre ja auch ein grausamer Zusammenstoss. Aber diese Ballung gilt als Glückskonstellation. Ein bis zwei Tage lang.
Darum springe ich erwartungsvoll aus dem Bett und tröpfle in die Wanne den Badezusatz mit dem viel versprechenden Namen «Glückliche Auszeit». Sicher ist sicher. Pessimistisch wie ich bin, macht es mich ohnehin skeptisch, dass diese himmlische Exklusivität ausgerechnet im Tierkreiszeichen Steinbock stattfindet. Steinböcke sind nicht gerade für ihre Glücksfähigkeit bekannt. Eher im Gegenteil. Sie misstrauen jedem Glücksfall zutiefst und erwarten, dass der Schicksalsschlag auf dem Fusse folgt. Da hat es die Glück bringende Konstellation ziemlich schwer.
Ich will also bescheiden sein und mich an Thich Nhat Hanh, einen buddhistischen Mönch aus Vietnam, halten, der Glück als Abwesenheit von Zahnschmerzen definierte. Wenn ich diesen Massstab anlege, habe ich nicht nur heute Glück, sondern bin – ohne es überhaupt zu merken – der glücklichste Mensch der Welt. Alles nur wegen der Abwesenheit gewisser grausiger Möglichkeiten: Hunger, Krankheit, Gewalt, Obdachlosigkeit, Katastrophen, Krisen jeder Art. Man kommt mit Aufzählen gar nicht mehr nach.
Vielleicht besteht das grösste Glück darin, es überhaupt wahrzunehmen. Na also. Da hat die Konstellation doch tatsächlich bereits gewirkt!
Kein Wunder, bade ich im Glück. Möge die «Auszeit» anhalten.
