09.12.2008
Zwölf irre Typen
Satire ist nur dann lustig, wenn man das Objekt wieder erkennt. Das heisst aber, dass sich dieses Objekt oder dieser Mensch bereits selbst parodierte, bevor ihn ein anderer parodiert. Satiriker heben nur etwas hervor, was schon da war – und lassen vielleicht etwas anderes weg, das sonst offensichtlicher ist.
Zu dieser irritierenden Erkenntnis kam ich bei der Lektüre von Dietmar Bittrichs neuem Buch über die zwölf Tierkreiszeichen «Böse Sterne» (dtv) mit dem entlarvenden Untertitel «Die Wahrheit über die 12 Zeichen».
Der Mann hat ja so Recht! Nie erkannte ich meine lieben Mitmenschen und mich selbst besser als in Bittrichs sarkastischen Schilderungen. Allerdings lacht auch er manchmal an der falschen Stelle. Jedenfalls jubelt er den armen Jungfrauen lauter Steinbock-Unarten unter. Aber die Betroffenen werden schon merken, wer wirklich gemeint ist. Dieses frohe Wiedererkennen kann eigentlich nur bedeuten, dass wir zu närrischen Verzerrungen unserer eigenen guten Eigenschaften mutiert sind - wahrscheinlich als dekadentes Ergebnis einer überalterten Kultur, die bloss noch Karikaturen erzeugt. Aber wenigstens gibt das etwas zu lachen – auch über uns selbst.
Wie müsste überhaupt ein Mensch beschaffen sein, über den es nichts mehr zu lachen gäbe? Vermutlich extrem böse oder extrem gut. Kurzum: Irgendwie unmenschlich. Darum erwarte ich auch keineswegs, dass die Menschen ihre komischen – und natürlich oft auch mühsamen – Eigenheiten verlieren sollen. Andererseits kann das Ziel ja auch nicht sein, nur noch aus Macken zu bestehen, obwohl ich nach der Lektüre der in meinem Horoskop betonten Tierkreiszeichen zugeben muss, dass ich auf dem besten Weg dazu bin. Und mit mir all die anderen irren Typen aus der kosmischen Runde.
