30.12.2008
Konsumpflicht
Das neue Jahr wird beinhart. Oh je: Schon falsch formuliert! Denn die Finanzkrise fordert von jeder Bürgerin und jedem Bürger Optimismus und Frohsinn. Genauer: Frohes Konsumieren.
Also noch mal von vorn: Das neue Jahr wird … ja, wie wird es denn? Anders als früher zwingt die Not heute nicht, sich einzuschränken, zu sparen und den Gürtel enger zu schnallen, sondern ihn abzulegen. Gewichtzunahme wird von nun an Bürgerpflicht, um den Umsatz der Lebensmittelhändler zu steigern. Damit ist schon mal eine Branche gerettet.
Dann empfiehlt es sich, mehrere Schichten Kleider übereinander (ab-)zutragen. Dann brauchen wir auch davon mehr, und eine weitere Branche ist gerettet.
Endlich kann ich mal etwas Sinnvolles tun. Ich rette die Welt, indem ich mein Geld ausgebe. Notabene kann ich es dann auch nicht mehr verlieren. Noch besser wäre es, wenn ich kräftig Schulden machen würde. Das kurbelt nämlich die Wirtschaft an. Ob Luxusartikel, Ferienreisen, Autos, Häuser – der Konsum dient nun einem guten Zweck. Und dieser Zweck heiligt die (Geld-)Mittel.
Manchmal kommt mir zwar in den Sinn, dass die Finanzkrise aus genau solchen Verschuldungen entstanden ist. Aber die Wirtschaftsexperten behaupten nach wie vor, dass die Falle, in die sie liefen, der rettende Weg aus der Krise ist.
Also konsumieren wir auf Teufel komm raus – bis uns alle der Teufel holt.
