SPUREN, Magazin für neues Bewusstsein
Octave 2 Media Internet-Solution
 Aktuelle Ausgabe | Verlag | Edition SPUREN | Archiv | Weblogs | Specials | Veranstaltungen | Kontakt | Links
Mitglied | Anmelden | Registrieren


 Inhalt
  <<  Zurück zum Weblog

31.01.2012
>> Traum-Chance verpasst
24.01.2012
>> Die Glotze
09.01.2012
>> Occupy Winter!
27.12.2011
>> Prognosen 2012
13.12.2011
>> Wortlos
06.12.2011
>> Alter Hacker
 


 
 SPUREN Weblog von Christine Steiger
 
17.02.2009
Von nah und fern

So hell war es in meinem Stübchen noch nie. Und die Sonne ist nicht der Grund dafür. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich bloss noch Wüste. Ein über hundertjähriger Garten wurde platt gewalzt: Totaler Kahlschlag. Bäume weg, Sträucher weg, Gartenzaun weg. Auch der kleine Jakobsweg ist verschwunden. Er hiess so, weil ihn mein längst verstorbener Kater Jakobli anlegte, indem er immer denselben Pfad entlang beinelte. Später wurde der Trampelpfad von seinen Nachfolgern übernommen. Er führte durch ein Loch im Hag den Hang hinauf durch die Wiese direkt in die Büsche. Da kommt jetzt eine Tiefgarage hin, dahinter wird ein Block gebaut, und dann gibt’s noch einige Parkplätze. Autos und Menschen brauchen viel Beton.

Ich trauere dem riesigen Nussbaum nach, der Jahrzehnte brauchte, um so gross zu werden, aber in wenigen Minuten zu Fall gebracht war. Gleichzeitig wird mir wieder mal bewusst, wie wenig weit unsere Gefühle reichen. Das Abholzen der Regenwälder erweckt zwar meinen Zorn, aber es ist ein «abstrakter» Zorn, der meine Gefühle kalt lässt. Kein Regenwald geht mir halt so «nah» wie der abgeholzte Nussbaum gegenüber. Sein Tod treibt mir die Tränen in die Augen.

Wir sind nur für kleine Dimensionen gemacht. Wenn Polkappen schmelzen, Tierarten aussterben und ein Klimawandel droht, übersteigt dies schlicht unser Vorstellungsvermögen: Es liegt uns «fern». Wenn ein kleiner uralter, von Kletterrosen und Clematis überwachsener Schuppen zusammengeschlagen wird, wirkt das auf mich deshalb gewalttätiger als der Krieg im Irak. Es geht mir einfach sehr nah.

Wir können offenbar höchstens bis Drei zählen, und manche nicht mal das. Erst, wenn die Wüste direkt vor dem eigenen Fenster beginnt, fahren wir erschrocken hoch. Emotionen bringen uns in die Sätze, Wissen dagegen bewegt nichts. Wir müssen uns zuerst rühren und berühren lassen. Statt Fernsehen Fernfühlen? Aber das wäre erst recht zum Heulen. Also lassen wir die Welt lieber nicht zu nah an uns heran.


Autor: Christine Steiger | Profil
Seitenaufrufe: 1029 - Kommentare: 0
Print Print-Version | Email Artikel per E-Mail weiterempfehlen
 
 
Kommentare: Es sind noch keine Kommentare geschrieben worden.


Sie können diesen Artikel kommentieren, wenn Sie sich zuerst mit Ihrem Username/Passwort anmelden. Sie haben noch kein Username/Passwort? Registrieren Sie sich - es ist ganz einfach!

 
 
 Suchen
Suchbegriff eingeben:

[Erweiterte Suche]

 Newsletter
 
Regelmässig über SPUREN-Aktivitäten informiert sein?
 

Anzeigen
Stiller Aufenthalt
Meditationsretreat auf Lanzarote inmitten der Klarheit & Kraft der Vulkane. Für Menschen, die eine neue Ausrichtung suchen, sich zurückziehen möchten.
www.la-madreperla.com
Die Kraft des Weiblichen
Diese Kraft wieder zu aktivieren und in den Alltag zu integrieren ist das Ziel der Treffen in einem Frauen-Heilkreis.
www.visionspirit.ch
Die pure Lust am LebensTanz
animoVida - eine tanztherapeutische Methode – Bewegungen, Begegnungen und Berührungen voller Lebensfreude. Motion creates emotion.
www.animoVida.ch
 
 
Aktuelle Ausgabe | Verlag | Edition SPUREN | Archiv | Weblogs | Specials | Veranstaltungen | Kontakt | Links

© 2000 - 2012 SPUREN

Design by Octave 2 Media