03.03.2009
Wortbewältigung
Noch sitzt der Schock über die Finanzkrise tief. Noch weiss niemand so recht, wie die Probleme zu lösen sind. Das ist die Stunde der Wortverdreher, der Sprachvernebler. Nein, sagte ein Meister dieses Fachs, von Krise möchte er nicht mehr reden. Es handle sich in Wirklichkeit nämlich um einen Zyklus.
Wahrscheinlich meinte er ein jahreszeitliches Auf und Ab wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wenn die Krise, die keine ist, etwas ganz Natürliches darstellt, verliert sie von selbst ihren Schrecken. Schliesslich fallen im Herbst auch die Blätter von den Bäumen, da darf sich doch auch die Geldmenge mal zersetzen.
Die Probleme sind dann natürlich ebenfalls keine Probleme mehr. Nein, es handle sich dabei lediglich um «Elemente», denen man «begegnen» müsse.
So was lasse ich mir richtig genüsslich auf der Zunge zergehen. Denn in Zukunft werde ich meine Schwierigkeiten in Elemente umbenennen, denen ich quasi elementar begegne. Wenn die Begegnung dann vorbei ist, gibt es auch keine Elemente mehr. Nehme ich jedenfalls an. So wie Katastrophen schon seit Jahren zu «Ereignissen» verharmlost werden, machen sich nun die Krisenverwalter fleissig ans Werk, für bedrohliche «Phänomene» neue Worte zu finden, die sie entschärfen. Dabei höre ich ihnen aufmerksam zu. Damit ich trotzdem verstehe, was wirklich gemeint ist.
