14.04.2009
Immer unterwegs
«Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt», sagt ein chinesisches Sprichwort. Man könnte es auch zugespitzter formulieren. Jeder Schritt ist der Beginn einer Reise – egal ob von tausend Meilen oder nur die paar Meter vom Wohnzimmer in die Küche. Stillstand existiert nicht, Verwurzelung ist eine Illusion und Häuslichkeit eine Täuschung.
Selbst wenn ich regungslos auf der Stelle stehe, reist zumindest die Zeit mit mir weiter. Wenn ich auf einem Karussell sitze, bewege ich mich schliesslich auch nicht und werde trotzdem bewegt. Auf diese Weise wird auch das scheinbar Beständige unbeständig.
So kommt mir das ganze Leben vor. Würde ich mir selbst begegnen, wie ich als Kind oder junge Frau war, wäre ich als Weitergereiste mir selber fremd. Die Jahre haben mich in ein anderes Land, ja sogar einen anderen Kontinent verschlagen, ohne dass ich dafür meine Heimat verlassen musste. Der Grund dafür liegt in meiner Weltanschauung, in der Art und Weise, wie ich die Welt anschaue. Denn kaum habe ich mir ein «zeitgemässes» Bild gebastelt, löst es sich wieder auf. Ständig werde ich aus meinen Erkenntnissen gerissen, weil sie bereits überholt sind. Dann kann ich wieder von vorne anfangen.
Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. Klar. Aber wohin führt sie eigentlich? Und jetzt soll bitte niemand antworten: «Der Weg ist das Ziel.» Denn dieser Weg ist immer nur vor dem ersten Schritt erkennbar. Schaut man genauer hin, verschwindet er im Nebel.
