05.05.2009
Die E-Grippe
Da reden alle von der Schweinegrippe. Dabei befindet sich einer der gefährlichsten Infektionsherde auf der Tastatur. Am meisten giftige Keime lagern nämlich auf dem Buchstaben „E“, weil er am häufigsten gebraucht wird. Und wer putzt schon abends die Tasten sauber? Also lässt man doch am besten diesen Buchstaben einfach weg.
Da ich nicht von d r Buchstabe –Seuch b fall n w rd n will, fass ich dort infach nicht m hr hin. Ab r s ist mühsam. Und was mach ich, w nn di K im dann auf in n and r n Buchstab n züg ln?
So. Jetzt geht es wieder. Ich habe das „E“ mit einem Einweg-Handschuh überzogen, und ich selbst trage Gesichtsschutz. Bald schweissen wir uns ohnehin in undurchlässiges Plastik ein, um als lebende Frischhaltebeutel ungefährdet öffentliche Verkehrsmittel besteigen zu können.
Wie sagte einst der Münchner Komiker Karl Valentin? „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es ist.“ Das ist gar nicht mehr so widersinnig, wie es klingt. Richtig furchterregend empfinden wir nur, was wir noch nicht kennen. Sonst nehmen wir frohgemut und unverdrossen alles in Kauf: Verkehrstote zuhauf, Infektionsopfer in den Spitälern, Aids-Kranke, von den Toten der Dritten Welt ganz zu schweigen, weil wir darüber eh kein Wort verlieren.
Verharmlose ich jetzt die Bedrohung durch die Schweinegrippe? Nein. Aber wir verharmlosen ständig die alltäglichen Bedrohungen, weil wir uns sonst vor Angst vorsorglich einsargen müssten.
