12.05.2009
Dschungel-Guerilla
Wenn es blitzt und kracht, Wassermassen zur Erde donnern, und die Wärme zusätzlich für ein Treibhausklima sorgt, weiss ich wieder mal: Die Zivilisation ist in der Natur nicht vorgesehen. Denn über Nacht kommen die Schnecken angaloppiert und fallen über meine dekadenten Zierpflanzen her, die sofort schlapp machen, während sich die Lianen – hierzulande auch Winden genannt – himmelwärts katapultieren und sich sämtliches unnützes Grünzeug blitzartig derart breit macht, dass neben ihm nichts mehr aufkommt.
Dann gilt es, einen Rest von Schönheit zu retten, ohne die mein armes Gemüt ebenfalls abschlaffen würde. Ich bewaffne mich also mit Schaufel, Hacke und Gartenschere, schicke meine Katzen auf die Mäusejagd und ziehe tapfer in den Dschungel, der eigentlich winzig ist und erst noch säuberlich von einem Gartenzaun umrundet.
Aber in meinen Augen ist er riesig und unbesiegbar, und ich krieche geschafft nach meinem Kampf wieder heraus. Die Schnecken kichern hinter meinem Rücken, bevor sie wieder losschmatzen, und die Winden nehmen den nächsten kostspieligen Setzling in ihren
Würgegriff.
Paracelsus behauptete, man müsse nur das Buch der Natur zu studieren, um zu Erkenntnissen über Gott und die Welt zu gelangen, und ich pflichte ihm absolut bei: Die Barbaren bleiben Sieger. Die Feinen und Zarten sind zum Untergang verdammt. Darwin lässt grüssen. Hol ihn doch der Teufel.
Menschenart aber scheint es zu sein, sich immer nach dem Guten und Schönen zu sehnen, das wir dann mit brachialer Gewalt herbeizaubern. Also haue ich ein paar Guerillas unter meiner einzigen Rose weg und komme mir dabei vor wie eine reiche Grundstückbesitzerin, die das Volk vor die Türe setzt. Allerdings kehrt es unverdrossen zurück und nimmt sein Land wieder in Besitz. Spätestens beim nächsten warmen Gewitter.
