30.06.2009
Daunen im Hirn
Manchmal, wenn jemand eine besonders skurrile Überzeugung verkündet, wird mir wieder bewusst, wie sehr wir uns ein Weltbild zusammenbasteln, an das wir uns fest klammen. Wie merkwürdig meine eigenen Überzeugungen sind, merke ich ja nicht, weil sie mir selbstverständlich erscheinen.
Aber es müssen nur ein paar Jahrzehnte, oft nur Jahre vergehen und alles ist anders, als ich es dachte. Das fing doch schon als Kind an, als sich eines Tages Osterhase und Christkind als «Fälschungen» erwiesen. Später brachen Ideale und Ideologien zusammen, und «wissenschaftlich bewiesene» Erkenntnisse erwiesen sich plötzlich als Trugschluss.
Trotzdem scheinen wir Überzeugungen zu brauchen. Sie sind wie Daunen im Hirn, geben Wärme und Geborgenheit. Wir können die Welt um uns erklären und damit sicher machen: Leitplanken für unser ganz persönliches Gehställchen.
Ab und zu entrümpeln wir unsere Wohnungen von all dem überflüssigen Zeug, das sich angesammelt hat. Aber unser Hirn? Es wäre doch dringend nötig, auch hier ein wenig Luft zu schaffen. Zumindest könnte man überprüfen, was noch brauchbar ist und was nicht: Antworten entsorgen und neue Fragen zulassen.
Aber ich fürchte, es ergeht einem damit wie bei der Entrümpelung der Wohnung. Im Handumdrehen sammelt sich neuer Plunder an.
