07.07.2009
Gesundbeter
Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die klar belegen, dass Patienten, für die eine Gruppe von Menschen betet, sich schneller erholen. Die Gesundbeter vollbringen keine Wunder, sie heilen nicht Unheilbare, und was sie tun, ersetzt keine medizinische Behandlung. Ihre Gebete unterstützen den Heilungsprozess. Das ist alles.
Aber jetzt treten Gesundbeter auf den Plan, die von ganz anderem Schrot und Korn sind. Sie machen im Handumdrehen Menschen gesund, indem sie ihnen einfach das Kranksein absprechen. Schmerzpatienten zum Beispiel sollen keine IV mehr benötigen. Weil sie keine Schmerzen mehr haben? Doch, die haben sie immer noch, aber sie sind trotzdem arbeitsfähig. Punkt.
Sehr erstaunlich ist auch der Text des folgenden Plakates. «Keine Behinderung» steht da in grossen Lettern. Und darunter liest man: «Arbeitgeber und IV schauen gemeinsam, dass Behinderte nicht invalid werden.», Wunder über Wunder! Wenn auch nur sprachlicher Natur. Da ist doch tatsächlich von Behinderten die Rede, die trotzdem nicht behindert sind. Wie machen die das bloss? Und was tun eigentlich die Arbeitgeber, die offenbar plötzlich Arbeitsplätze zur Verfügung stellen können, obwohl Gesunde zu Tausenden auf die Strasse gestellt werden?
Wäre es heutzutage womöglich gescheiter, krank zu werden, um einen Arbeitsplatz zu erhalten? Oder sind gar die Gesunden die wirklich Kranken?
Das wissen nur noch die modernen Gesundbeter. Die finden für jeden das richtige Wort – nur keine finanzielle Unterstützung mehr.
