02.09.2009
Comeback
Noch vor wenigen Monaten wurde vor meinen Augen alles Grün des gegenüberliegenden Gartens abgetragen: Totaler Kahlschlag. Übrig blieben braune Steilwände, die meine Katze Söpheli leichtfüssig hinaufsprintete.
Heute grünt es wieder. Brombeerranken seilen sich ab, Königskerzen wurzeln gefährlich schräg aber unverdrossen über dem Abgrund, Rucula bietet sich als Salat an, und Nachtkerzen blühen leuchtend gelb gegen das langweilige Braun an: Essbar das eine, eine Augenweide das andere. Die Natur liefert einen schier unerschöpflichen Reichtum, der sich fast von selber wundersam vermehrt, indem er täglich ein bisschen weiter wächst. Das ist die wahre lebenserhaltende Währung, und doch gelten den meisten Menschen ein paar abgegriffene Papierfetzen, mit denen man rein praktisch höchstens ein Feuer anzünden könnte, als das wirkliche Vermögen, das es emsig zu vermehren gilt.
Geld – dieses «Recyclingpapie» besonderer Art – war mir seit jeher ein Rätsel. Denn es hat damit eine ähnliche Bewandtnis wie mit des Kaisers neuen Kleidern im Märchen. Jeder sieht, dass der Kaiser nackt ist, und jeder tut trotzdem so, als wäre er bekleidet. Man müsste doch wissen, dass Geldscheine bloss Papier sind und darum gar nichts wert sein können, aber alle tun trotzdem so, als seien sie das Wertvollste auf der Welt. Dabei haben die Menschen nur eine sonderbare Abmachung miteinander getroffen, wie sie überhaupt oft sonderbare Abmachungen treffen. Dann tun alle so als ob, und das ist eigentlich eine ganz erstaunliche Sache für Leute, die sich für Realisten halten. Aber wenn sich nicht alle beinhart an die Abmachung über den Wert des Geldes halten, platzt diese wie eine Seifenblase – die sie ja in Wirklichkeit auch ist. Und was bleibt dann noch übrig?
Womöglich bloss ein übergrünter Hang mit ein paar essbaren Kräutern!
