15.09.2009
Verschlüsseltes
Kaum dreht man der Welt kurz den Rücken zu, hat sie sich auch schon verändert. Genau genommen habe ich zwar nicht der Welt den Rücken gekehrt, sondern nur ihren öffentlichen WC-Anlagen. Aber dann kommt halt doch der Tag, an dem man dringend mal muss, und so eilte ich die Treppen hinab in eines dieser unterirdischen Verliesse, die unseren ach so irdischen Bedürfnissen dienen. Doch ich stand vor einer verschlossenen Türe. Buchstäblich ausgeschlossen von den sanitären Errungenschaften unserer Zeit. Ich drückte die Klinke – nichts. Ratlosigkeit meinerseits. Eine höchst peinliche Ratlosigkeit. Dann kam mir zum Glück eine Eingeweihte zu Hilfe. Es brauche für das Sesamöffnedich einen Code, klärte sie mich auf, schaute kurz auf einen Zettel mit einer geheimnisvollen Zahlenkombination und tippte sie ein. Und siehe: Das Örtchen liess sich betreten.
Ich kam mir vor, als würde ich in den Tresorraum einer Grossbank eindringen. For VIPs only. Entsprechend andächtig verrichtete ich mein Geschäft und verstand endlich, warum der Psychoanalytiker Sigmund Freud in seinen Traumdeutungen Exkremente mit Geld gleichsetzte. Jetzt weiss ich nur nicht, welchen Geschäften eigentlich die Banken in Tat und Wahrheit nachgehen. Mit Abfallverwertung? Was lagert in ihren Tresorräumen, und wieso verwandeln sich unsere WC-Anlagen in Sicherheitstrakte?
Was ist was und wofür ist was für wen?
Fragen über Fragen. Und die nächste WC-Krise kommt bestimmt.
