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 SPUREN Weblog von Christine Steiger
 
06.10.2009
Wahrscheinlich nicht

In der Werbung tobt ein Religionskrieg. «Hoffnung» steht in grossen Lettern auf dem Plakat einer freikirchlichen Vereinigung. Darüber hatte ein Andersdenkender gesprayt: «Gott ist tot». Ein Dialog in vier Worten. Man kann sich sogar etwas dabei denken oder zumindest darüber nachdenken. Zum Beispiel über die resignierte Traurigkeit, die in dem toten Gott steckt, und was sie verursachte. Die Kirchen, fürchte ich, haben eine Menge dazu beigetragen, weil sie Jahrhunderte lang eher Hoffnungslosigkeit verbreiteten. Den Gläubigen war die Hölle oft näher als das Paradies.

Etwas völlig anderes ist der unsägliche Slogan der Freidenker, der kürzlich als Werbebotschaft in Zug verboten wurde: «Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht. Geniess das Leben.» So etwas gnadenlos Banales habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Was heisst denn hier «Da ist wahrscheinlich kein Gott»? Wahrscheinlich? So ganz sicher ist es offenbar nicht? Und was ist, wenn doch? Und warum soll man sich nicht sorgen, wenn es «wahrscheinlich» keinen Gott gibt? Weil man dann nicht in die Hölle kommt oder wie oder was? Und wenn ja, bedeutet das, es ist egal, was man macht? Hauptsache, man geniesst das Leben! Und wenn das Leben ungeniessbar wird? Oder gar unverdaulich? Wenn man Sorgen hat, auch wenn man sich keine machen sollte?

Ich weiss nicht, ob es Gott gibt oder nicht. Vor allem, weil ich mir gar kein Bild von einem Gott mache. Aber noch weniger weiss ich, wie sich die Freidenker ihren nicht existierenden Gott vorstellen. Was verneinen sie eigentlich? Den alten Bilderbuch- Typ mit dem Rauschebart aus dem Märchenbuch für die kleinen Kinder? Den Samichlaus mit der Rute? Den «Gottessohn», der ein Menschensohn war? Oder eine himmlische Bürokratie, die über das Tun und Lassen der Menschen Buch führt? Gott ist für mich ein Wort für etwas Unbenennbares. Von mir aus existiert er oder sie oder es als Begriff nicht. Oder eben auch nicht als Bild, das man sich bekanntlich ja nicht machen soll.

Aber das sorglose Glück, das die Freidenker proklamieren, existiert für mich ebenfalls nicht. Nicht nur wahrscheinlich nicht, sondern mit absoluter Sicherheit nicht.


Autor: Christine Steiger | Profil
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