19.10.2009
Jagdsaison
Grausam geht’s bei mir zu. Mörderisch. Blutig. Ein Gemetzel. Wie immer, wenn im Herbst meine Miezen mit unerwünschten Untermietern heimkehren. Dann ziehe ich in die Schlacht, mit Kamm, Bleistift und Wasserschüsselchen bewaffnet. Die Jagdsaison ist eröffnet. Und das Wild ist wirklich wild. Es hüpft, wenn man nicht beherzt zugreift, nach allen Seiten davon. Darum schleudere ich es erst ins Wasser, wo ich es dann mit dem Bleistift-Ende zerdrücke, bis nur noch Blutlachen übrig bleiben.
Buddhistin darf man in diesem Moment nicht sein. Wenn ich denke, dass der Dalai Lama jedes Käferchen ins rettende Freie trägt, hätte er bei mir viel zu tun. Er müsste den ertrinkenden Flöhen erst winzige Rettungsringe zuwerfen, sie dann wieder beleben und auf einen Flohträger setzen. Bei mir aber geht es in umgekehrter Richtung: Direkt in den Untergang.
Mein Kater dankt es mir mit inbrünstigem Schnurren. Nur seine Freundin Söpheli hält das Ganze für ein Spiel und haut mir ihrerseits ihre Krallen in die Haare. Ich bin allerdings flohfrei. Bis auf den berühmten Floh ins Ohr, den einem die anderen Leute dort hineinsetzen. Zum Beispiel dass die Natur in sich gut und vollkommen sei, wo sie es doch offensichtlich auf uns abgesehen hat. Sie bringt buchstäblich jeden unter den Boden.
Es gibt zwar Leute, die dies ebenfalls gut finden, aber meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Ich frage mich höchstens, wie es mit den toten Flöhen nun weitergeht. Reinkarnieren sie als Zecken? Oder als Katzen? Oder als Banker? Und steckt in ihren Genen noch eine Erinnerung an ihr Leben als Floh?
Und – oh Schreck lass nach – werden wir uns eines Tages in einem anderen Leben wieder begegnen? Was dann? Mit meinem mörderischen Karma werde ich vielleicht nichts mehr zu lachen haben, wenn mir dann nicht meine reinkarnierten Katzen zu Hilfe eilen. Micheli und Söpheli, ich baue auf euch!
