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 SPUREN Weblog von Christine Steiger
 
24.02.2010
Statistische Trickkiste

Schauder, Schauder! Werbung und Nachrichten sagen dasselbe – wobei schon die Zeitgleichheit und Verschränkung höchst verwunderlich sind. Und mehr als verwunderlich, sondern eher schon skandalös. Schliesslich soll die Information von der Werbung unabhängig sein.

Und so höre ich im Radio, dass die Krebserkrankungen zugenommen haben. Und ich sehe im Fernsehen einen hochdramatischen Spot, in dem mir drastisch vor Augen geführt wird, dass jeder Dritte an Krebs erkrankt. Umgekehrt würde es allerdings weniger dramatisch klingen: Über siebzig Prozent werden nicht an Krebs erkranken. Aber das tönt natürlich zu schön. Und so suggeriert – unausgesprochen – auf dem Bildschirm ein buntes Mobile, wie man es in Kinderzimmern antrifft, dass es womöglich jedes dritte Kind treffen könnte. Eine entsetzliche Vorstellung.

Selbstverständlich ist jede einzige Erkrankung tragisch. Egal, wen es trifft, ob alt oder jung. Aber immerhin heisst es, dass heute die Menschen immer älter werden. Darum gibt es auch immer mehr alte Menschen. Und da es immer mehr alte Menschen gibt, nehmen logischerweise auch die Erkrankungen zu. Die wenigsten sterben nämlich im Vollbesitz ihrer Gesundheit. Das heisst: Ob die Lebenserwartung tatsächlich zugenommen hat, ist gar nicht so sicher. Was rasant abgenommen hat, ist die Kindersterblichkeit. Aber weil mehr Menschen das Erwachsenenalter erreichen, hat sich statistisch gesehen auch die Lebenserwartung erhöht. Aber nicht unbedingt die Chance, neunzig oder gar hundert zu werden. Und es gibt nur darum immer mehr alte Menschen, weil es immer weniger Kinder gibt. Mit der Statistik lässt sich vortrefflich tricksen.

Mit anderen Worten: Statistisch hundertprozentig sterben alle Menschen. Das ist auch die einzige Aussage, die unumstösslich ist. Was aber die Zunahme der Krebserkrankungen betrifft, so entdeckte ich auf der Website der Krebsliga eine erstaunliche Feststellung: «Krebs ist in der Schweiz keine meldepflichtige Krankheit, aus diesem Grund gibt es keine präzisen statistischen Zahlen zu Krebs.» Ach so.

Die Behauptung, dass in der Schweiz jeder Dritte an Krebs erkrankt, stammt also aus der statistischen Trickkiste. In der Verallgemeinerung steckt die Verfälschung. Fragt sich nur: Wem dient sie? Und was bezweckt sie?


Autor: Christine Steiger | Profil
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