30.03.2010
Versteckte Ostereier
Es ist noch gar nicht Ostern, da habe ich schon die ersten versteckten Eier gefunden! Mindestens fünfzig Stück und alle knallgelb. Allerdings sind sie so winzig, dass das Häufchen auf einem halben Fünf-Rappen-Stück Platz fände. Aber dort habe ich sie nicht gefunden, sondern auf der Unterseite eines Schmetterlings aus Blech, der aus Ermangelung lebender Exemplare eines meiner Blumenkistchen auf der Veranda ziert.
Der Osterhase, grüble ich, wird sie wohl kaum dorthin gelegt beziehungsweise geklebt haben, weil er ja mit der Legehennen-Innung und der Schokoladenindustrie fusionierte, während mein Eierhäufchen wohl mehr das Werk eines winzigen Insekts sein muss. Wanze? Spinne? Käfer? Keine Ahnung. Aber es handelt sich zweifellos um ein kleines Wunderwerk der Natur. Dabei wundert mich daran am meisten, dass die Mutter weiss, ihre Eier am Blattwerk – sei es nun aus Blech, Plastik oder Grünzeug – unterwärts befestigen zu müssen, damit der Nachwuchs nicht vorzeitig von den Vögeln entdeckt und gefressen wird.
Na ja. Wahrscheinlich ist diesem Getier die Evolutionstheorie bekannt, und es hat aus jahrhundertelanger Erfahrung gelernt, dass nur gut getarnte Eier den lieben Kinderlein eine Zukunft garantieren. Bloss: Denken können diese Viecher ja nicht. Es muss sich also um reinen Instinkt handeln: Ein Eier-unter-Blätter-kleben-Gen, das sich in dem Insekt festgesetzt hat, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, wie das zugegangen sein soll. Die Evolutionstheorie postuliert ja, dass sich schlechte Erfahrungen in veränderte Verhaltensweisen verwandeln – und dies völlig ohne Einsicht ins Geschehen. Nur durch das Ausleseprinzip der Überlebenden. Das sind die wahren Osterwunder.
Nur bei uns Menschen ist es umgekehrt. Wir können zwar denken, es nützt bloss nichts, wir machen unverdrossen dieselben Fehler immer wieder. Solange, bis wir uns selbst ausgerottet haben. Eine Art Evolutionstheorie im Rückwärtsgang.
Darum glauben wir auch noch an den Osterhasen. Nicht nur an Ostern.
