06.04.2010
Vernachlässigte Risiken
Die Welt ist gross, unübersichtlich und undurchschaubar. Kein Wunder, hat niemand den Überblick, und noch weniger den Durchblick. Die Experten schauen nicht mehr über ihren Tellerrand hinaus, weil das, was auf ihrem Teller liegt, schon komplex genug ist. Also werkelt Experte neben Experten an seinem Ding, bis aus allem zusammen das ganz grosse Ding entsteht. Zum Beispiel ein Finanz-Crash, der Urknall oder ein kleines schwarzes Loch, das wie ein Staubsauger seine ganze Umgebung einsaugt.
Ach nein, beruhigen die Banker ihre skeptischen Kunden, alles läuft bestens, die Gewinne steigen wieder. Und die klugen Wissenschaftler vom CERN erklären den ängstlichen Laien, die Gefahren seien «vernachlässigbar». Da bin ich erst richtig erschrocken.
Ich kann zwar nicht wissen, was die Wissenschaftler wissen, aber ich kann ihnen auf die Wörter schauen. Und sie haben nicht gesagt, es bestehe kein Risiko. Sie wollen nur dieses Risiko «vernachlässigen». Das erinnert mich an die todsicheren AKWs, deren Risiken so lange vernachlässigbar waren, bis Tschernobyl explodierte. Eine Art Lottogewinn der negativen Art, jedenfalls, was nach Expertenmeinung die Wahrscheinlichkeit eines derartigen Unfalls betraf.
Es war die Ausnahme von der Regel. Aber vielleicht sollte man auf Regeln verzichten, deren Ausnahmen besser nicht zu vernachlässigen sind.
