11.05.2010
Im Sternzeichen Pleitegeier
Ich lebe in einem reichen Land. So sagt man wenigstens. Das Problem der Reichen ist, dass sie oft nicht wissen, wieviel sie haben. Und ob sie überhaupt noch etwas haben. Sie vertrauen darauf, dass ihnen der Reichtum zufliesst und dass dieser Zufluss nicht versiegt. Was, wenn aber doch? Dann wird aus dem reichen Land ein armes Land. Aber das passiert natürlich nur anderen Ländern. Griechenland, Portugal, Italien und so fort.
Wir aber sind immer noch ein reiches Land. Obwohl ich nicht so genau weiss, ob es meinem reichen Land nicht genau so geht wie dem Reichen, der gar nicht mehr weiss, wieviel er noch hat. Und ob er überhaupt noch etwas hat. Genau genommen ist das Land verschuldet. Wenn auch nicht so stark wie andere Länder. Aber halt doch.
Was geschieht eigentlich, wenn ein Reicher nur vorgibt reich zu sein? Und plötzlich merkt man, dass er arm ist? Dann wird er zahlungsunfähig. Sollte man jedenfalls meinen. Bei Staaten scheint das anders zu sein. Da unterstützen massiv Verschuldete andere Verschuldete. Deutschland zahlt Hilfe an Griechenland, obwohl es selbst 1,7 Billionen Euro Schulden hat. Andere Länder machen mit, obwohl sie ebenfalls verschuldet sind. Gefährlich sind die Spekulanten. Sie machen ihre Millionengewinne, indem sie wetten auf den Pleitegeier.
Ich schüttle empört den Kopf und weiss gleichzeitig, dass diese neue Wirtschaftskrise von den Astrologen bereits seit Jahren vorausgesagt wurde. Fliegt der Pleitegeier also im Dienst des Himmels? Und stehen die Spekulanten in der Gunst der Sterne?
Die Konstellationen symbolisieren Kräfteverhältnisse. Fragt sich nur, wie die Verantwortlichen mit diesen Kräften umgehen. Konstruktiv oder destruktiv? Im Dienst des Pleitegeiers oder im Dienst der Solidarität. Ich aber gehöre zum Fussvolk und kann nur zuschauen. Auf dem Programm steht ein ungemütlicher «Krimi», der weit über den Sonntagabend hinaus ausgestrahlt werden wird.
