02.06.2010
Heiligenschein für die Katz
Katzenfreunde haben immer Gesprächsstoff. Erwähnenswert ist fast jedes Miau. Aber manchmal bekommt man tatsächlich Erstaunliches zu hören. Ihr ältestes Büsi sei kürzlich gestorben, erzählte mir eine Katzenfreundin. Und in der Nacht darauf sei etwas Merkwürdiges passiert. Um das Haus brauste ein heftiger Wind, nur ganz kurz, aber eben doch, und obwohl das Wetter überhaupt nicht stürmisch, ja nicht mal windig war.
Na ja, das kennt man ja von den Heiligen. Die brausen auch so davon. Das heisst: Bei ihrem Tod kommt mit schöner Regelmässigkeit bei schönstem Wetter ein Sturm auf. Ein himmlischer Sturm sozusagen. Zum Beispiel bei der Beerdigung von Bede Griffith, einem hoch spirituellen Benediktinermönch (1906-1993), der in Indien lebte. Er wurde zwar noch nicht heiliggesprochen, aber der Vatikan hinkt ja in solchen (und nicht nur in diesen) Dingen dem Himmel hinterher.
Für wenige Augenblicke wurde es bei Bede Griffiths Beerdigung stockdunkel, und ein gewaltiger Sturm wehte sämtliche Blumen auf den Sarg. Ein stilvoller Abgang, auf den nicht nur Heilige, sondern auch andere Geistesgrössen grossen Wert legen. Beim Tod von C.G.Jung schlug hoch dramatisch der Blitz in einen Baum vor seinem Haus – oder fiel der Baum einfach um? Ich weiss es nicht mehr so genau. Und Ken Wilber, als spirituell-psychologischer «Vordenker» eh ein profunder Kenner der Szene, erzählt Ähnliches vom frühen Tod seiner Frau, wobei nicht ganz klar ist, wer von den beiden nun eigentlich im Ruch der Heiligkeit steht – er oder sie?
Bei den Katzen dagegen verwundert mich dieses Phänomen noch am wenigsten, weil sie ich sie sowieso für Heilige halte. Und hin und wieder stürmen sie auch schon zu Lebzeiten ums Haus.
