20.07.2010
Schafstage
Die Hundstage können mir gestohlen bleiben. Es ist mir zu heiss, schlicht und einfach zu heiss. Ein guter Moment, um Schafstage zu geniessen – nämlich die Schaf-Krimis von Leonie Swann. Gerade ist der zweite Band erschienen, «Garou», ein Werwolf-Thriller. Da treffe ich die fabelhaften Schafe wieder, die ich schon aus «Glenkill» kenne. (beide Bücher sind im Goldmann Verlag erschienen, das erste als Taschenbuch): Miss Maple, das klügste Schaf der Herde und vielleicht der Welt, Mopple the Whale mit dem besten Gedächtnis, Sir Ritchfield, der alte Leitwidder und all die anderen. Im ersten Roman klären sie den gewaltsamen Tod ihres Schäfers auf, im zweiten geht es um einen Werwolf.
Es ist so schön, die Welt und die Menschen durch die Augen der Schafe zu sehen! Die Geschichten sind witzig und hintergründig, verschroben und bedenkenswert. Menschen, meinen die Schafe beispielsweise, haben keine Seele. Denn die Seele liegt im Geruchssinn, und die Menschen können nicht gut riechen. Eines der Schafe hatte schon oft über diese „Nase-Seele-Problem“ nachgedacht.
Den Schafen leuchtet natürlich auch völlig ein, dass die Menschen ein Lamm verehren, das sie den Herrn nennen. Nur dass die Zweibeiner unter Gras manchmal etwas völlig anderes verstehen als das, was sie selbst abweiden, verwirrt sie sehr.
Diese Lektüre wirft die Leser auf ihr eigenes, so menschlich subjektives Weltbild zurück, und plötzlich wird man in mehr als einer Hinsicht selbst zum Schaf. Auf mich färbt jedenfalls bereits ihre Ausdrucksweise ab, und es geht nicht mehr lange, dann spreche ich meine Mitmenschen als Schönhörnige und Weitgeweidete an.
Die Mischung ist einfach genial und beste Lektüre an Hundstagen.
