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 SPUREN Weblog von Christine Steiger
 
31.08.2010
Spenden für Autorennen in der Dritten Welt

Vor Jahren erzählte mir ein Dominikanerpater von seinem Engagement in einer Favela, einem der Elendsviertel von Sao Paulo in Brasilien. Tausende und Abertausende leben dort in Wellblechhütten, ohne Elektrizität, ohne Kanalisation, ohne sauberes Wasser. Und es gibt nicht nur eine Favela, sondern viele. Und weil ganz in der Nähe ein Autorennen stattfinden sollte, wollte die Regierung die Favela abreissen, um Parkplätze und Luxusrestaurants zu schaffen. Die Behörden stellten daher scheinbar unerfüllbare Bedingungen für den Fortbestand: eine Kanalisation, ein Gemeinschaftshaus und anderes, von dem sie wusste, dass das Geld dafür fehlen würde. Der Dominikanerpater reiste zurück in die Schweiz und trieb das Geld auf. Das Kloster in Ilanz und viele einzelne spendeten. Die Bewohner der Favela leisteten die Arbeit.

Kurz: Die Auflagen der Regierungen wurden allen Widrigkeiten zum Trotz erfüllt, und die Parkplätze wurden woanders gebaut.

An diese Geschichte dachte ich, als ich las, dass die UBS 200 Millionen Franken für Formel-1-Rennen in Brasilien und Asien «spendet». Und noch etwas fiel mir ein. Frei Betto, ebenfalls ein Dominikanerpater und heute enger Berater des brasilianischen Präsidenten Lula, schrieb vor zwanzig Jahren in seinem Buch «Zeichen des Widerspruchs» (Edition Exodus, Fribourg): «Was ist das Sparbuch der Banken in der Ersten Welt? Es sind die Länder der Dritten Welt. Die Banken zahlten ihr Geld in Form von Darlehen bei uns ein und verlangen Zinsen dafür.»

Das heisst: Die armen Länder der Dritten Welt zahlen ein Vielfaches dessen, was sie an Krediten aufgenommen haben, an Zinsen und Amortisationen zurück. Für Darlehen von 112 Milliarden Dollar gingen beispielsweise zwischen 1970 bis 1987 157 Milliarden Dollar an die Kreditgeber zurück. Laut Jean Ziegler beträgt die Auslandsschuld Brasiliens inzwischen aber bereits über 240 Milliarden Dollar.

Da ist diese «grosszügige» Spende der UBS in mehr als einer Hinsicht reiner Zynismus.


Autor: Christine Steiger | Profil
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